Es gibt diesen einen Abend im Oktober, an dem man um halb sieben in der Wohnung sitzt, die Füße kalt werden, und man denkt sich: Na gut. Und dann dreht man auf. Bei mir war es heuer der 14. Oktober, ich habe es sogar notiert, weil ich wissen wollte, ob ich es länger aushalte als im Vorjahr. Ich habe es nicht.
Das Problem ist nicht das Aufdrehen. Das Problem ist, was man vorher nicht gemacht hat.
Die halbe Stunde, die den ganzen Winter entscheidet
Heizkörper entlüften. Ich weiß, das steht in jedem zweiten Ratgeber, und es klingt so langweilig, dass man es überliest. Aber wenn es beim Aufdrehen gluckert, sitzt Luft im Körper, und die oberen zwanzig Zentimeter bleiben kalt. Der Kessel arbeitet trotzdem, als würde er die volle Fläche heizen.
Sie brauchen einen Entlüftungsschlüssel um zwei Euro aus dem Baumarkt, ein Häferl und einen alten Fetzen. Ventil aufdrehen, zischen lassen, sobald Wasser kommt zudrehen. Fertig. Bei einer Vierzimmerwohnung sind das zwanzig Minuten und je nach Anlage mehrere Prozent Ersparnis über die Saison.
Der Möbelfehler, den fast jeder macht
Vor dem Heizkörper im Wohnzimmer steht bei den meisten Leuten irgendetwas. Ein Sofa, ein Kasterl, ein Wäscheständer. Und im Winter dann noch der Vorhang, der bis zum Boden fällt.
Ein Heizkörper gibt seine Wärme über Konvektion ab, die Luft muss unten rein und oben raus können. Ein Vorhang davor lenkt diese warme Luft direkt am kalten Fenster entlang nach draußen. Sie heizen sprichwörtlich den Innenhof. Vorhang kürzen oder hinter den Heizkörper klemmen, das kostet nichts und wirkt sofort.
Lüften: kurz und brutal statt gekippt
Das gekippte Fenster ist der teuerste Kompromiss der Wohnkultur. Die Luft wechselt kaum, aber die Laibung rundherum kühlt völlig aus und wird zur Kältebrücke. Bei Altbauten sieht man das im Februar an den schwarzen Ecken.
Stattdessen: zwei- bis dreimal täglich fünf Minuten Durchzug, alle Fenster auf, Heizung währenddessen runter. Die Möbel und Wände behalten ihre Wärme, nur die feuchte Luft geht raus. Es fühlt sich falsch an, weil es so kalt wird. Es ist trotzdem richtig.
Die Nachtabsenkung, über die man streiten kann
Hier bin ich ehrlich gesagt anderer Meinung als viele Ratgeber. Die pauschale Empfehlung, nachts auf 16 Grad abzusenken, funktioniert gut in schlecht gedämmten Altbauten mit schnellen Heizkörpern. In einer gut gedämmten Neubauwohnung mit Fußbodenheizung bringt sie fast nichts, weil das Aufheizen am Morgen genauso viel frisst.
Probieren Sie es aus. Eine Woche mit Absenkung, eine ohne, Zählerstand notieren. Das ist die einzige Methode, die für Ihre Wohnung wirklich stimmt.
Wo Sie im Oktober noch Geld holen können
- Energieanbieter vergleichen. Der Tarifkalender der E-Control ist gratis und unabhängig. Ein Wechsel dauert online etwa zehn Minuten, die Abmeldung beim alten Anbieter macht der neue.
- Die kostenlose Energieberatung der Bundesländer. Manche kommen sogar zu Ihnen nach Hause und messen mit der Wärmebildkamera nach.
- Wenn die Nachzahlung droht: mit dem Versorger reden, bevor die Mahnung kommt. Ratenzahlung geht fast immer.
- Zugluft. Ein Türbesen um sechs Euro.
Das Thermostat, das Sie wahrscheinlich falsch bedienen
Die Zahlen am Thermostatventil sind keine Leistungsstufen, sondern Zieltemperaturen. Stufe 3 bedeutet ungefähr 20 Grad. Wenn Sie auf 5 drehen, weil es schneller warm werden soll, wird es nicht schneller warm - es wird nur wärmer, als Sie wollten, und Sie merken es erst, wenn Sie um zwei Uhr früh schwitzend das Fenster aufreißen.
Programmierbare Thermostatköpfe kosten pro Stück zwischen fünfzehn und dreißig Euro und sind in einer Mietwohnung ohne Zustimmung des Vermieters montierbar, weil man nur den Kopf tauscht. Bei einem Wohnzimmer, das nur abends warm sein muss, rechnet sich das binnen einer Saison.
Und noch ein Detail, das viele übersehen: Ein Grad weniger Raumtemperatur spart je nach Gebäude etwa sechs Prozent Heizenergie. Ein Grad. Das ist der Unterschied zwischen Pullover und T-Shirt in der Wohnung.
Was wirklich nichts bringt
Die Heizkörperfolie hinter dem Radiator wird jedes Jahr wieder herumgereicht. In einem Neubau mit gedämmter Außenwand ist der Effekt kaum messbar. In einem Altbau mit einer alten, feuchten Ziegelwand kann sie tatsächlich etwas ausmachen. Kaufen Sie sie also nicht blind, sondern schauen Sie sich vorher an, wie Ihre Wand gebaut ist.
Und das Heizen mit dem Elektroradiator, weil es „nur für zwei Stunden" ist: Strom ist pro Kilowattstunde deutlich teurer als Gas oder Fernwärme. Zwei Stunden werden schnell zur Gewohnheit, und die Gewohnheit steht dann auf der Jahresabrechnung.
Am Ende ist es wie mit den meisten Sparsachen im Haushalt. Die große, spektakuläre Maßnahme kostet Geld und dauert Jahre, bis sie sich rechnet. Die kleinen, unspektakulären Handgriffe kosten einen Samstagvormittag und wirken ab dem nächsten kalten Abend. Ich weiß, welche Variante sich besser anfühlt, wenn draußen der Nebel steht.



