Der letzte Schultag hat etwas Doppeltes. Für die Kinder ist es der beste Tag des Jahres. Für viele Eltern beginnt in diesem Moment eine Rechenaufgabe: neun Wochen, dreißig Urlaubstage zu zweit, und dazwischen eine Lücke, die irgendwie gefüllt werden muss.
Professionelle Ferienbetreuung kostet je nach Anbieter zwischen 150 und 350 Euro pro Woche. Bei zwei Kindern und vier Wochen kommt man in Regionen, die den Sommerurlaub gleich mitfrisst. Es gibt Alternativen, aber man muss wissen, wo sie stehen.
Die Ferienspiele der Gemeinden
Das ist die wichtigste und am meisten unterschätzte Schiene. Fast jede österreichische Gemeinde und jeder Wiener Bezirk hat ein Sommerprogramm mit Bastelnachmittagen, Ausflügen, Feuerwehrbesuchen, Schwimmtagen und Schnitzeljagden.
Vieles davon ist gratis oder kostet wenige Euro pro Termin. Der Haken: Die Anmeldung läuft oft schon im Mai, und die guten Termine sind binnen Stunden weg. Wenn Sie es heuer verpasst haben, tragen Sie sich für nächstes Jahr eine Erinnerung Anfang Mai ein. Wirklich, machen Sie das jetzt gleich.
Was Vereine anbieten
Sportvereine, Feuerwehren, Musikkapellen und Pfadfindergruppen machen im Sommer Schnupperwochen. Für Kinder ist das oft der Einstieg in ein Hobby, für Eltern sind es betreute Vormittage.
Die Beiträge sind meist niedrig, und wo sie es nicht sind, gibt es fast immer eine Regelung für Familien, bei denen es knapp ist. Man muss fragen. Das ist unangenehm, ich weiß. Aber die Leute in diesen Vereinen sind selbst Eltern und gehen damit in aller Regel diskret um.
Die Bäder und die freien Badestellen
In Wien sind die Sommerbäder für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gratis, in vielen anderen Gemeinden gibt es Ferienpässe mit freiem Eintritt. Dazu die kostenlosen Naturbadestellen an Seen und Flüssen.
Ein Tipp aus Erfahrung: Der Vormittag im Bad ist deutlich angenehmer als der Nachmittag. Weniger Leute, weniger Sonne auf der Haut, und die Kinder sind danach so müde, dass der Nachmittag daheim friedlich verläuft.
Kultur, Bücherei, Museen
- Der Eintritt in die österreichischen Bundesmuseen ist für unter 19-Jährige frei. Das gilt auch im Sommer, und an Regentagen ist es die Rettung.
- Büchereien machen Sommerleseaktionen mit Preisen und Urkunden. Für Kinder, die ungern lesen, wirkt das erstaunlich gut.
- Freilichtkinos und Sommerkonzerte, oft mit freiem Eintritt oder freier Spende.
- Und die Landesausstellungen, die für Kinder meist eigene Programme haben.
Wenn das Geld wirklich knapp ist
Es gibt in Österreich mehrere Stellen, die Ferienlager und Erholungsaufenthalte für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen finanzieren oder stark bezuschussen: die Kinderfreunde, die Caritas, die Volkshilfe, das Jugendrotkreuz, dazu Aktionen einzelner Bundesländer.
Das sind keine Almosen und keine Restplätze. Das sind reguläre Programme mit eigenem Budget, das jedes Jahr nicht ausgeschöpft wird, weil zu wenige davon wissen. Ein Anruf beim Sozialamt der Gemeinde oder bei der Bezirkshauptmannschaft bringt oft mehr als eine Stunde Internetrecherche.
Was der Arbeitgeber beisteuern kann
Ein Punkt, den viele Eltern nicht kennen: Zuschüsse des Arbeitgebers zur Kinderbetreuung sind unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei, und das gilt auch für Ferienbetreuung und Feriencamps.
Manche Betriebe zahlen das freiwillig, andere haben es im Kollektivvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung stehen und bewerben es schlecht. Fragen Sie in der Personalabteilung oder beim Betriebsrat nach. Im schlechtesten Fall gibt es nichts, im besten mehrere hundert Euro pro Jahr.
Und wenn Sie selbst zahlen: Kinderbetreuungskosten können unter Umständen bei der Arbeitnehmerveranlagung geltend gemacht werden. Heben Sie die Rechnungen auf, auch die kleinen. Im Februar, wenn Sie die Erklärung machen, ärgert man sich sonst über den Zettel, den man im Juli weggeworfen hat.
Der unterschätzte Faktor: andere Eltern
Die wirksamste Ferienlösung, die ich kenne, ist ein Ring aus drei oder vier Familien, die sich abwechseln. Montag bei uns, Dienstag bei den Nachbarn, Mittwoch bei der Familie aus der Parallelklasse.
Kinder sind in der Gruppe leichter zu beschäftigen als allein, und man hat plötzlich drei freie Tage pro Woche. Es kostet nichts außer der Bereitschaft, jemanden anzusprechen, und genau daran scheitert es meistens.
Und dann noch etwas
Es müssen nicht neun durchorganisierte Wochen sein. Kinder brauchen auch Zeit, in der nichts geplant ist und ihnen fad wird, weil aus dieser Fadesse die besten Ideen entstehen. Der Ast im Garten, der zum Schiff wird. Der Nachmittag, an dem drei Kinder im Hof ein Spiel erfinden, dessen Regeln kein Erwachsener versteht.
Das ist gratis, und es ist mehr wert als das dritte Feriencamp. Sagen Sie sich das im Juli, wenn das schlechte Gewissen kommt.



