Ich bin vor zwei Jahren in eine Bücherei gegangen, um ein einziges Buch zu holen, und bin mit einer Jahreskarte, einem Zugang zu vier digitalen Plattformen und dem irritierenden Gefühl herausgekommen, dass ich jahrelang für Dinge gezahlt habe, die es ums Eck umsonst gibt.
Das Bild von der Bücherei als stiller Raum mit staubigen Regalen hält sich hartnäckig. Es stimmt seit ungefähr fünfzehn Jahren nicht mehr.
Die digitalen Zugänge sind der eigentliche Hammer
Über die Onleihe und ähnliche Plattformen bekommen Sie mit dem Büchereiausweis E-Books, Hörbücher, digitale Zeitschriften und teilweise Filme. Man lädt sich das auf Handy oder Tablet, es läuft nach der Leihfrist automatisch ab, und man muss nichts zurückbringen.
Die Zeitschriftenauswahl ist der unterschätzte Teil. Wochenmagazine, Wirtschaftsblätter, Koch- und Gartenzeitschriften, oft am Erscheinungstag verfügbar. Wer sich sonst zweimal im Monat am Bahnhof ein Magazin um sechs Euro kauft, spart hier real Geld.
Filme und Musik
Viele Standorte bieten Zugang zu Streaming-Diensten für Kunst-, Dokumentar- und Klassikerfilme. Das ersetzt kein großes kommerzielles Abo, wenn Sie Serien am laufenden Band schauen wollen. Aber wenn Sie ohnehin nur zwei- bis dreimal im Monat einen Film sehen, ist das eine ernsthafte Alternative zu einem Abo, das dreizehn Euro im Monat kostet und meist nur läuft, während man am Handy scrollt.
Sprachkurse und Lernplattformen
Etliche Büchereien haben Lizenzen für Sprachlernprogramme, Nachhilfeplattformen und Datenbanken zur Berufsvorbereitung. Wer Italienisch für den Urlaub lernen will oder ein Kind hat, das mit Mathematik kämpft, sollte dort zuerst nachfragen, bevor ein Abo abgeschlossen wird.
Und dann die Dinge, die man nicht erwartet
- Bibliotheken der Dinge. In immer mehr österreichischen Gemeinden kann man Werkzeug, Bohrmaschinen, Nähmaschinen, Raclettegeräte oder Campingausrüstung ausborgen. Für eine Schlagbohrmaschine, die man dreimal im Leben braucht, ist das die vernünftigste Lösung.
- Saatgutbibliotheken, gerade jetzt im Frühjahr. Man nimmt Samen mit und bringt im Herbst welche zurück.
- Arbeitsplätze zum Lernen, mit WLAN, Strom und Ruhe. Für Studierende und alle, die daheim keinen Schreibtisch haben, ist das viel wert.
- Vorlesestunden für Kinder. Kostenlos, meist samstags.
- Kaffeeautomat. Der ist selten gratis. Ehrlichkeit muss sein.
Was es kostet
Die Jahresgebühren liegen in Österreich meist zwischen null und dreißig Euro. Für Kinder und Jugendliche ist es an vielen Standorten gratis, in Wien für unter 18-Jährige generell. Studierende, Arbeitslose und Pensionisten zahlen oft ermäßigt oder nichts.
Rechnen Sie das gegen ein einziges Hardcover. Ein neues Sachbuch kostet fünfundzwanzig Euro. Die Jahreskarte ist also nach dem ersten Buch bezahlt, alles danach ist geschenkt.
Für Familien der größte Hebel
Kinderbücher sind teuer, werden schnell zu kindisch und stehen dann jahrelang herum. Ein Bilderbuch kostet fünfzehn Euro und wird in der Volksschulzeit vielleicht zwanzigmal gelesen, danach nie wieder.
Wer mit einem Kind alle drei Wochen in die Bücherei geht und acht Bücher mitnimmt, kommt über ein Jahr auf mehr als hundert Bücher. Das ist nicht nur eine Ersparnis von mehreren hundert Euro, das ist ein anderer Zugang zum Lesen: Man darf etwas anfangen und wieder weglegen, ohne dass es weh tut, weil es nichts gekostet hat.
Und die Kinder suchen selbst aus. Meine Tochter hat sich ein halbes Jahr lang ausschließlich Bücher über Pilze geholt. Hätte ich das gekauft, wäre ich nach dem dritten nervös geworden.
Der ehrliche Nachteil
Es gibt einen, und er ist real: Sie warten. Bei aktuellen Bestsellern stehen manchmal vierzig Leute auf der Vormerkliste, und dann dauert es Monate. Wer jedes neue Buch sofort lesen will, wird damit nicht glücklich.
Was hilft: Vormerken und vergessen. Wenn die Nachricht dann in vier Monaten kommt, ist es ein kleines Geschenk von einem selbst an sich selbst. Und in der Zwischenzeit lesen Sie halt etwas, das schon im Regal steht - was oft die besseren Bücher sind, weil sie nicht durch Marketing zu Ihnen gekommen sind.
Wie Sie anfangen
Gehen Sie hin. Nicht auf die Website, hin. Die Leute dort arbeiten in einem Beruf, in dem sie den ganzen Tag Fragen beantworten wollen und viel zu selten gefragt werden. Sagen Sie, was Sie interessiert, und lassen Sie sich zeigen, was der Standort hat. Zwanzig Minuten.
Der April ist dafür ein guter Monat. Draußen ist es noch nicht warm genug für den Garten, aber schon hell genug, dass man abends noch weggeht. Und ein Ausweis in der Geldbörse, der einem monatelang etwas bringt, ohne monatlich etwas zu kosten, ist eine seltene Sache geworden.



