Dienstag, 8. September 2026 · Gratis Community info@gratis-community.at
Spartipps

Der Abo-Check im September: Was Sie zahlen, ohne es zu benutzen

4. September 2026

Ich habe im Vorjahr an einem verregneten Septembersonntag meine Kontoauszüge der letzten zwölf Monate durchgeschaut. Nicht weil ich sparen musste, sondern aus Neugier. Nach vierzig Minuten hatte ich eine Liste mit elf wiederkehrenden Zahlungen, von denen ich drei komplett vergessen hatte und zwei weitere seit über einem Jahr nicht genutzt.

Summe: 47 Euro im Monat. 564 Euro im Jahr. Für nichts.

Warum es immer der September sein sollte

Weil sich hier die Verträge stapeln. Viele Jahresabos werden im Herbst verlängert, die Fitnessverträge vom Jänner laufen aus, und die Versicherungen haben oft Stichtage rund um den Jahreswechsel, für die man drei Monate vorher kündigen muss. Wer erst im Dezember hinschaut, ist zu spät.

So gehen Sie vor

Laden Sie die Kontoauszüge und die Kreditkartenabrechnungen der letzten zwölf Monate herunter. Nicht sechs Monate. Zwölf, sonst übersehen Sie die Jahresabbuchungen.

Sortieren Sie nach Empfänger und suchen Sie alles, was mehr als einmal vorkommt. Schreiben Sie dazu, wann Sie es zuletzt verwendet haben. Ehrlich, nicht großzügig.

Und dann die einzige Frage, die zählt: Würde ich das heute neu abschließen? Wenn die Antwort nicht ein klares Ja ist, kommt es auf die Kündigungsliste.

Die üblichen Verdächtigen

  • Streaming. Die meisten Haushalte haben zwei bis vier Dienste und schauen regelmäßig auf einem. Der Trick: Nicht alle gleichzeitig, sondern einen Monat pro Dienst. Serien laufen nicht davon.
  • Cloud-Speicher, oft aus einer Zeit, in der man ein bestimmtes Handy hatte.
  • Fitnessstudio. Der Klassiker, und der teuerste.
  • Zeitungs- und Magazinabos, die nach einem Probemonat weitergelaufen sind.
  • Software-Abos, die man für ein einziges Projekt gebraucht hat.
  • Und die kleinen: Wetter-App Pro, Passwortmanager Premium, das Spiel mit dem Monatspass.

Versicherungen: hier steckt oft das größte Geld

Die Haushalts- und Eigenheimversicherung ist bei vielen seit Jahren dieselbe, während sich Deckungssummen und Prämien am Markt bewegt haben. Ein Vergleich lohnt sich, und die Arbeiterkammer sowie der VKI bieten dazu kostenlose, unabhängige Beratung.

Aufpassen bei Doppelversicherungen: Wer eine Haushaltsversicherung mit Rechtsschutz hat und zusätzlich eine eigene Rechtsschutzpolizze, zahlt zweimal für dasselbe. Ebenso bei Reiseversicherungen, die in Kreditkarten oder Vereinsmitgliedschaften schon enthalten sind.

Kündigen, ohne dass es kompliziert wird

Seit der Reform im Konsumentenschutz müssen Verträge, die man online abgeschlossen hat, auch online kündbar sein, mit einer klar erkennbaren Schaltfläche. Wenn ein Anbieter Sie stattdessen zu einem Telefonat mit der Kundenbindung zwingen will, ist das nicht in Ordnung.

Bei Verträgen, die ursprünglich befristet waren und sich stillschweigend verlängert haben, lohnt ein Blick in die Bedingungen: Solche Verlängerungsklauseln sind nicht immer wirksam, und die Arbeiterkammer hat dafür Musterschreiben, die man nur ausfüllen muss.

Für alles andere: kurze Mail, Vertragsnummer, Kündigung zum nächstmöglichen Termin, Bitte um schriftliche Bestätigung. Diese Bestätigung ist wichtig. Ohne sie stehen Sie in drei Monaten mit einer Mahnung da und können nichts beweisen.

Handy, Internet und der Anruf, der sich lohnt

Bei Mobilfunk und Internet zahlen Bestandskunden in Österreich fast immer mehr als Neukunden. Das ist keine Verschwörung, das ist Kalkulation: Wer nicht fragt, bleibt beim alten Tarif, während die Werbetarife günstiger werden.

Rufen Sie an und sagen Sie, dass Sie über einen Wechsel nachdenken. Man landet dann in der Kundenbindungsabteilung, und die hat Spielraum, den die normale Hotline nicht hat. Bei mir waren es beim letzten Mal acht Euro im Monat weniger bei mehr Datenvolumen, für ein Telefonat von elf Minuten.

Wichtig ist, dass Sie den Wechsel tatsächlich erwogen haben und wissen, was die Konkurrenz verlangt. Wer bluffen muss, klingt so, und dann kommt kein Angebot.

Was Sie nicht kündigen sollten

Fair bleiben, auch hier. Manche laufenden Kosten sind ihr Geld wert, auch wenn man sie selten braucht.

Die Haftpflichtversicherung. Der Autofahrerclub, wenn Sie viel unterwegs sind. Ein Bibliotheksausweis um zwanzig Euro im Jahr. Und die Mitgliedschaft in einem Verein, in den Sie nur zweimal im Jahr gehen, aber der Ihnen wichtig ist. Nicht alles muss sich rechnen.

Und danach

Legen Sie eine Notiz an, in der jedes laufende Abo mit Startdatum, Preis und Kündigungsfrist steht. Handschriftlich, in einer Tabelle, egal. Wichtig ist nur, dass es einen Ort gibt, an dem alles steht.

Und tragen Sie sich für nächsten September einen Termin ein. Denn diese Liste wächst wieder, das ist keine Frage der Disziplin. Sie wächst, weil jeder Dienst heute mit einem Gratismonat anfängt und darauf setzt, dass Sie das Kündigen vergessen.

Vierzig Minuten an einem Regensonntag. Ich kenne wenige Stunden im Jahr, die besser bezahlt sind.

Schlagwörter: , , , ,

Das könnte Sie auch interessieren