Ab dem 1. Dezember öffnet sich im Netz eine Art Parallelwelt. Jeder Radiosender, jede Zeitung, jeder Möbelhändler und jede Käsemarke hat einen Online-Adventkalender, hinter dem täglich ein Preis steckt. Die einen verlosen Socken, die anderen ein E-Bike. Und irgendwo dazwischen sitzen tausende Leute, die sich jeden Morgen durch zwanzig Kalender klicken.
Ich habe das eine Saison lang gemacht, mit Tabelle. Was ich dabei gelernt habe, hat mein Vorgehen komplett geändert.
Die Teilnehmerzahl fällt nach dem 20. Dezember ab
Das ist der wichtigste Befund, und er ist banal, wenn man ihn einmal ausspricht: Menschen werden müde. Am 1. Dezember sind alle voller Elan. Ab dem 20. ist das Weihnachtsessen zu planen, die Geschenke sind nicht fertig, die Schwiegermutter kommt, und die Kalender bleiben ungeöffnet.
Gleichzeitig sind die Preise hinter den letzten Türchen oft die größten, weil die Veranstalter zum Finale hin steigern. Weniger Teilnehmer, bessere Preise. Wenn Sie also nur begrenzt Lust auf Klicken haben: Sparen Sie sich die erste Dezemberwoche und konzentrieren Sie sich auf den 20. bis 24.
Regionale Kalender schlagen nationale immer
Bei einem Gewinnspiel eines großen Handelskonzerns machen hunderttausende Menschen mit. Bei dem Kalender des Tourismusverbands im Mühlviertel oder der Bezirkszeitung im Lungau sind es vielleicht dreihundert.
Der Gewinn ist kleiner, klar. Ein Gutschein für den Hofladen statt einer Reise nach Dubai. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Sie tatsächlich etwas bekommen, liegt um Größenordnungen höher. Und ein Gutschein für einen Hofladen, den man dann besucht, ist mir ehrlich gesagt lieber als ein weiteres Los in einer Riesenlotterie.
Was Sie vorbereiten sollten, bevor Sie anfangen
- Eine eigene Mailadresse nur für Gewinnspiele. Nicht die private, nicht die berufliche.
- Einen Textbaustein mit Ihren Daten, damit Sie nicht jedes Mal alles neu tippen. Die meisten Browser können Formulare automatisch ausfüllen.
- Eine Liste der Kalender, bei denen Sie mitmachen wollen, mit Link. Zehn gute sind besser als vierzig halbherzige.
Und noch etwas: Prüfen Sie beim ersten Mal, ob die Teilnahme wirklich nur einmal pro Tag zählt oder ob man mit mehreren Einträgen die Chance erhöht. Manche Kalender erlauben das ausdrücklich, andere disqualifizieren Sie dafür.
Der Haken bei den ganz großen Preisen
Wenn ein Kalender ein Auto verlost, ist das für den Veranstalter vor allem eine Datenerhebung. Die Frage, die Sie sich stellen sollten, ist nicht „wie hoch ist meine Chance", sondern „wem gebe ich hier meine Telefonnummer".
Achten Sie auf die Häkchen. Wenn eines davon Werbung von Partnerunternehmen erlaubt und die Partnerliste dreistellig ist, dann ist der Preis für Ihre Teilnahme höher als er ausschaut. Sie werden im Jänner Anrufe bekommen. Das ist kein Verdacht, das ist Erfahrung.
Die Gewinnfrage, die keine ist
Viele Kalender stellen eine Frage, die man beantworten muss. In Österreich hat das einen Grund: Reine Glücksspiele unterliegen strengeren Regeln als Gewinnspiele mit einem Element von Geschicklichkeit oder Wissen.
Deshalb sind die Fragen meist so gestellt, dass die richtige Antwort im Text darüber steht oder nur eine der drei Optionen halbwegs Sinn ergibt. Wenn Sie also einmal unsicher sind: Die Antwort, die den Veranstalter am besten dastehen lässt, ist fast immer die richtige. Das ist kein Geheimtipp, das ist einfach, wie Werbetexte funktionieren.
Wie viel Zeit das wirklich frisst
Ich habe eine Saison lang mitgeschrieben. Zwanzig Kalender, täglich durchgeklickt, im Schnitt vierzig Minuten pro Tag. Über den ganzen Advent sind das mehr als zwölf Stunden. Gewonnen habe ich in dieser Saison Waren im Wert von etwa neunzig Euro.
Rechnen Sie das auf einen Stundenlohn um, und die Sache schaut ernüchternd aus. Es sei denn, das Klicken selbst macht Ihnen Freude - und bei vielen Menschen tut es das, so wie ein Kreuzworträtsel. Dann ist die Rechnung eine andere. Nur ehrlich sollte man zu sich sein, welche der beiden Rechnungen für einen gilt.
Wenn Sie gewinnen: was in Österreich gilt
Gewinne aus Gewinnspielen sind in Österreich für Privatpersonen in der Regel einkommensteuerfrei. Aber Vorsicht bei Sachgewinnen mit hohem Wert, etwa einem Auto: Da können Zulassung, motorbezogene Versicherungssteuer und laufende Kosten schnell zum Problem werden.
Ich kenne einen Fall aus dem Bekanntenkreis: Reise für zwei Personen gewonnen, Flug und Hotel bezahlt, alles andere nicht. Am Ende hat die Woche mit Transfers, Essen und Ausflügen mehr gekostet als ein normaler Urlaub im Salzkammergut. Lesen Sie, was genau im Gewinn enthalten ist, bevor Sie sich freuen.
Der ehrlichste Rat
Setzen Sie sich ein Zeitbudget. Fünfzehn Minuten am Tag, nicht mehr. Adventkalender-Gewinnspiele sind ein netter Zeitvertreib beim ersten Kaffee, aber sie werden schnell zur Aufgabe, die man abarbeitet, und dann hat man den Advent gegen ein Formular getauscht.
Ich klicke inzwischen sieben Kalender durch, alle regional, alle mit sauberen Teilnahmebedingungen. Gewonnen habe ich im Vorjahr zwei Kinokarten und einen Gutschein für eine Bäckerei in der Nachbargemeinde. Das ist kein Reichtum. Aber die Semmeln waren wirklich gut.



