Meine Tante hat einmal ein Auto gewonnen. Zumindest stand das in der E-Mail. Sie musste nur eine Bearbeitungsgebühr von 49 Euro überweisen und ihre Ausweisdaten schicken. Sie hat es zum Glück nicht getan, aber sie hat drei Tage lang darüber nachgedacht. Und genau darauf setzen die Leute, die solche Mails verschicken.
Gewinnspiele sind grundsätzlich eine feine Sache. Ich mache selbst regelmäßig mit und habe schon Konzertkarten, einen Wochenendaufenthalt im Waldviertel und einmal eine wirklich hässliche Kaffeemaschine gewonnen. Aber zwischen den echten Aktionen tummelt sich viel Schrott. Hier sind die Signale, auf die ich achte.
Signal 1: Sie haben gewonnen, obwohl Sie nie mitgemacht haben
Das ist der Klassiker und trotzdem fällt jeden Tag jemand darauf herein. Kein seriöses Unternehmen verlost etwas an Menschen, die sich nicht beworben haben. Wenn also eine SMS kommt, dass Ihre Handynummer aus einer Datenbank gezogen wurde: löschen. Nicht antworten, nicht auf den Link klicken, auch nicht aus Neugier.
Signal 2: Der Gewinn kostet etwas
Bearbeitungsgebühr, Zollgebühr, Versandpauschale, Notariatskosten. Egal wie es heißt, es ist immer dasselbe: Sie sollen zahlen, bevor Sie bekommen. Ein Gewinn, für den man Geld überweisen muss, ist kein Gewinn.
Kleine Ausnahme, damit es fair bleibt: Bei sehr hochwertigen Sachgewinnen kann in Österreich eine Steuerpflicht entstehen, und manchmal muss man den Gewinn selbst abholen. Aber das ist etwas völlig anderes als eine Vorabüberweisung an eine Kontonummer im Ausland.
Signal 3: Die Teilnahmebedingungen sind unauffindbar
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, und es dauert wirklich nur dreißig Sekunden. Scrollen Sie ans Ende der Seite. Gibt es ein Impressum mit Firmenname, Adresse und Firmenbuchnummer? Gibt es Teilnahmebedingungen, in denen der Einsendeschluss, der genaue Gewinn und der Rechtsweg stehen?
Wenn dort nur eine Gmail-Adresse steht oder überhaupt nichts, dann ist das keine Schlamperei. Das ist Absicht. Denn wer kein Impressum hat, ist auch nicht greifbar.
Signal 4: Sie sollen einen Anruf erlauben
Das kleine Häkchen, mit dem Sie „telefonischer Kontaktaufnahme zu Werbezwecken durch Partnerunternehmen" zustimmen, ist der eigentliche Zweck vieler Gewinnspiele. Der Preis wird vielleicht sogar verlost. Aber das Geschäft sind Ihre Daten, weitergegeben an ein Netzwerk aus Callcentern.
Woran Sie es erkennen: Es gibt mehrere Häkchen, eines davon ist schon vorausgefüllt, und irgendwo steht eine Liste von „Partnern", die Sie anklicken können und die dann 300 Firmennamen enthält. Dreihundert. Ich habe das einmal gezählt.
Was ein gutes Gewinnspiel ausmacht
Die seriösen erkennt man meist genauso schnell. Der Veranstalter ist eine Firma, die Sie kennen oder zumindest nachschlagen können. Der Gewinn ist konkret beschrieben, nicht „ein Auto", sondern Marke, Modell, Ausstattung. Die Teilnahme braucht Ihre E-Mail-Adresse und vielleicht den Namen, mehr nicht. Und die Datenschutzerklärung ist auf Deutsch und liest sich, als hätte sie jemand geschrieben, der Deutsch kann.
Ein Tipp aus der Praxis, der mir viel Ärger erspart hat: Legen Sie sich eine eigene Gratis-Mailadresse nur für Gewinnspiele an. Nicht die, mit der Ihr Onlinebanking verknüpft ist, nicht die, an die Rechnungen gehen. Wenn diese Adresse irgendwann im Spam untergeht, ist das kein Drama.
Signal 5: Der Zeitdruck
„Nur noch 14 Minuten", „Bestätigen Sie innerhalb von 24 Stunden, sonst verfällt Ihr Gewinn", ein Zähler, der rückwärts läuft. Zeitdruck ist das älteste Werkzeug, das es gibt, und es funktioniert deshalb so gut, weil es das Nachdenken abschaltet.
Seriöse Veranstalter setzen zwar auch Fristen, aber sie sind großzügig und sachlich formuliert. Zwei Wochen. Bis Monatsende. Kein blinkender Countdown.
Der Test, den ich bei jedem neuen Gewinnspiel mache
Ich suche den Firmennamen aus dem Impressum, gebe ihn zusammen mit dem Wort Erfahrungen in eine Suchmaschine ein, und schaue mir die ersten zehn Treffer an. Das dauert eine Minute.
Wenn dabei Forenbeiträge über unerwünschte Anrufe, Beschwerden bei Verbraucherschützern oder gar nichts kommt - und gar nichts ist bei einer angeblich großen Verlosung genauso auffällig - dann lasse ich es. Wenn hingegen eine echte Firma mit Website, Adresse und Geschichte auftaucht, mache ich mit.
Wenn doch etwas passiert ist
Sollten Sie Daten hergegeben haben und plötzlich Anrufe bekommen: Sie dürfen die Einwilligung jederzeit widerrufen, formlos, per Mail. Die Rufnummernliste der RTR gegen unerwünschte Werbeanrufe hilft, und die Arbeiterkammer berät kostenlos, wenn Ihnen jemand ein Abo untergejubelt hat.
Und wenn Sie tatsächlich schon überwiesen haben: sofort die Bank anrufen. Manchmal, wenn es schnell geht, lässt sich eine Überweisung noch stoppen. Peinlich ist daran gar nichts, diese Maschen sind gut gemacht.
Ich habe mir angewöhnt, vor jedem Klick auf „Jetzt teilnehmen" kurz innezuhalten und mich zu fragen, was der Veranstalter davon hat. Manchmal ist die Antwort: Werbung, Reichweite, ein neuer Newsletter-Abonnent. Das ist völlig in Ordnung, das ist ein fairer Tausch. Und manchmal ist die Antwort: Ich weiß es nicht. Dann lasse ich es. Da liegt der Hund begraben, bei dieser einen unbeantworteten Frage.



