Es gibt Menschen, die füllen ihr halbes Badezimmer mit Gratisproben. Ich kenne eine, die hat drei Schuhschachteln voll Miniaturen von Cremen, Shampoos und Zahnpasten, und sie kauft seit Jahren kein Duschgel mehr. Ob das ein gutes Leben ist, lasse ich offen. Aber es funktioniert offenbar.
Die Frage ist nur: zu welchem Preis. Denn gratis heißt in diesem Bereich fast nie umsonst.
Die drei Sorten von Gratisproben
Erstens die direkten Herstellerproben. Eine Firma bringt ein neues Produkt heraus und verschickt Muster über die eigene Website. Das sind die besten. Sie geben Ihre Adresse an einen Hersteller, den Sie kennen, und bekommen eine Probe. Ende der Geschichte.
Zweitens die Apotheken- und Drogerieproben. Die bekommt man vor Ort, ohne Formular, ohne Daten. Man muss fragen, und viele fragen nicht, weil es ihnen unangenehm ist. Es ist aber kein Betteln. Diese Muster sind ein Werbebudget, das ohnehin ausgegeben wird, und wenn es niemand abholt, landet es im Müll.
Drittens die Sammelportale, die hundert verschiedene Proben auf einer Seite anbieten. Und hier wird es heikel.
Wo der Haken sitzt
Diese Portale verdienen an der Weitergabe Ihrer Daten. Sie füllen ein Formular aus, kreuzen an, dass Sie an Produkttests interessiert sind, und geben dabei oft mehr her, als Ihnen bewusst ist: Alter, Haushaltsgröße, Kinder, Interessen, manchmal Einkommensklasse.
Das ist ein detailliertes Profil, und es ist erheblich mehr wert als das Sackerl Waschmittel, das drei Wochen später kommt. Meistens kommt es nicht einmal.
Woran Sie ein sauberes Angebot erkennen: Es fragt nach Name, Adresse und Mailadresse. Nicht nach Telefonnummer. Nicht nach Geburtsdatum auf den Tag genau. Und es gibt eine Datenschutzerklärung, in der ein konkretes Unternehmen mit Sitz steht.
Was tatsächlich brauchbar ankommt
- Kosmetikproben aus Apotheken. Oft echte Markenprodukte in Reisegröße, ideal fürs Wochenende.
- Babyproben. Windelhersteller und Nahrungsmittelfirmen verschicken großzügig, weil ein gewonnener Kunde jahrelang bleibt. Wer ein Kind erwartet, sollte das nutzen.
- Kaffee- und Teeproben von Röstereien. Nach meiner Erfahrung die ehrlichste Kategorie, weil die Betriebe klein sind und wirklich wollen, dass Sie es probieren.
- Tierfutterproben.
- Zeitungen und Magazine mit Probeabo. Achtung: Hier ist die Kündigungsfrist entscheidend, sonst läuft es weiter.
Was nicht funktioniert
Alles, wo Sie eine Kreditkarte hinterlegen sollen, um „nur den Versand" zu zahlen. Das ist die klassische Abofalle. Der Versand kostet 4,95, und im nächsten Monat werden 59 Euro abgebucht, weil im Kleingedruckten ein Monatsabo steckt.
Wenn Ihnen das passiert ist: sofort Bank kontaktieren, Lastschrift widersprechen, und beim Konsumentenschutz melden. Bei Verträgen im Fernabsatz haben Sie in Österreich in der Regel vierzehn Tage Rücktrittsrecht, und wenn nicht ordentlich über dieses Recht belehrt wurde, verlängert sich die Frist deutlich.
Produkttests: die Stufe darüber
Neben den einfachen Proben gibt es Produkttestprogramme, bei denen Sie ein vollwertiges Produkt bekommen und dafür eine Bewertung schreiben. Marktforschungsinstitute, Herstellerpanels, teilweise auch Handelsketten.
Das ist deutlich attraktiver als eine Miniaturprobe, hat aber einen Haken, den man kennen muss: Sie verpflichten sich zu einer Gegenleistung. Wer den Bericht nicht schreibt, fliegt raus, und manche Programme verlangen Fotos, Fragebögen und eine Rücksendung.
Wenn Sie das machen wollen, halten Sie sich an Institute mit Sitz in Österreich oder Deutschland, die im Impressum eine Registrierung nachweisen. Und: Ein Produkttest, für den Sie zuerst kaufen und danach angeblich eine Erstattung bekommen, ist eine der häufigsten Betrugsvarianten im Netz. Sie zahlen, und die Erstattung kommt nie.
Der praktische Aufbau, wenn Sie es ernsthaft machen wollen
Eine eigene Mailadresse, ausschließlich für Proben und Gewinnspiele. Keine Telefonnummer, oder wenn nötig eine Wertkartennummer. Und eine Notiz, wo Sie sich wann angemeldet haben, damit Sie später wissen, woher die Werbung kommt.
Klingt aufwendig? Ist es, ein bisschen. Aber es ist der Unterschied zwischen einem netten Hobby und einem Postfach, das man nicht mehr aufmacht.
Und der ehrliche Schluss
Ich habe eine Zeit lang systematisch Proben bestellt. Nach vier Monaten hatte ich elf Sendungen bekommen, davon waren drei brauchbar. Der Rest war Wegwerfware in Portionsgröße, dazu ungefähr sechzig Werbemails pro Woche.
Was ich heute mache: Wenn ein Produkt mich wirklich interessiert, weil ich überlege, es zu kaufen, dann bestelle ich die Probe. Gezielt. Das ist der Sinn einer Probe, und so funktioniert sie auch gut. Das planlose Absammeln von allem, was gratis ist, kostet am Ende mehr Aufmerksamkeit, als es wert ist. Und Aufmerksamkeit ist die Währung, an der es den meisten von uns ohnehin am meisten fehlt.



