Ein Punsch am Christkindlmarkt kostet inzwischen vier bis fünf Euro, das Häferlpfand kommt dazu, und wenn man zu zweit unterwegs ist und zwei Runden macht, ist ein Zwanziger weg, bevor man den ersten Standl-Schmuck angeschaut hat. Man merkt es nicht sofort. Man merkt es Mitte Jänner.
Es geht auch anders, und zwar ohne dass es nach Verzicht schmeckt.
Die Adventmärkte selbst kosten nichts
Der offensichtlichste Punkt, den man trotzdem vergisst: Hineingehen, schauen, riechen, Musik hören - all das ist gratis. Die Kosten entstehen erst am Standl. Ein Spaziergang über den Markt in Steyr, durch die Salzburger Altstadt oder über den Wiener Rathausplatz ist ein vollwertiger Abend, wenn man vorher daheim eine Suppe isst.
Klingt kleinlich? Vielleicht. Aber ich habe im Vorjahr den Unterschied gemerkt: Wer nicht hungrig hingeht, gibt deutlich weniger aus. Und schmeckt den Punsch trotzdem.
Adventkonzerte in Kirchen
In fast jeder Pfarre gibt es im Dezember Konzerte, Adventsingen oder offene Proben, bei denen kein Eintritt verlangt wird, sondern nur eine freiwillige Spende am Ausgang. Chöre, Bläsergruppen, Kinderchöre. Die Qualität schwankt, ehrlich gesagt, stark. Aber wenn Sie in einer kalten Barockkirche sitzen und dreißig Leute singen unbegleitet, dann ist das etwas, das kein Streaming-Abo herstellt.
Ausstellungen und Museen am freien Tag
Viele Häuser haben einen Gratis-Tag oder Gratis-Abendstunden, dazu kommen Sonderaktionen im Advent. Für Kinder und Jugendliche unter 19 ist der Eintritt in die österreichischen Bundesmuseen ohnehin frei. Das nutzen erstaunlich wenige Familien aus.
Die Krippenwege und Lichterrouten
In vielen Gemeinden gibt es beleuchtete Rundgänge, Krippenpfade oder Adventfenster, bei denen jeden Tag ein anderes Haus im Ort sein Fenster schmückt und aufsperrt. Nachfragen im Gemeindeamt oder auf der Gemeindeseite. Das steht oft nirgends prominent, weil es einfach Tradition ist und man annimmt, dass es eh jeder weiß.
Eislaufen, das nichts kostet
Nicht die großen Eistraumanlagen, die kosten Eintritt. Aber viele Gemeinden spritzen Natureisplätze auf, die gratis sind, sobald das Eis trägt. Dazu die zugefrorenen Teiche mit offizieller Freigabe. Schlittschuhe leihen sich Kinder ohnehin gegenseitig aus, weil die Füße schneller wachsen als das Geld nachkommt.
Basteln statt kaufen
Bibliotheken und Kinderfreunde-Gruppen bieten im Advent gratis Bastelnachmittage an. Kerzen ziehen, Kekse verzieren, Strohsterne binden. Für Eltern sind das zwei Stunden, in denen jemand anderer den Fleck auf dem Tisch wegwischt.
Weihnachtsgeschenke, die nichts kosten und trotzdem etwas taugen
- Ein Gutschein von Ihnen selbst. Kein gekaufter, ein handgeschriebener: einmal Autoreifen wechseln, drei Abende Kinderhüten, ein gemeinsamer Spaziergang auf den Kahlenberg mit Thermoskanne.
- Fotos ausdrucken. Wirklich ausdrucken, auf Papier. Ältere Menschen freuen sich darüber mehr als über fast alles andere.
- Eingekochtes vom Sommer.
- Zeit. Ich weiß, wie abgedroschen das klingt. Es stimmt trotzdem.
Der Punsch daheim schlägt den vom Standl
Das ist keine Sparweisheit, das ist eine Geschmacksfrage, und ich bin hier ziemlich streng. Der Punsch an vielen Ständen ist ein Fertigkonzentrat mit Rum drin, das man aufwärmt.
Ein Liter guter Traubensaft, eine Orange, zwei Zimtstangen, ein paar Nelken, etwas Sternanis und ein Löffel Honig, dreißig Minuten leise ziehen lassen. Kostet für sechs Häferl unter fünf Euro, riecht durch die ganze Wohnung und schmeckt eindeutig besser. Wer will, gibt Rum dazu, wer nicht, hat trotzdem etwas Warmes.
Nehmen Sie ihn in der Thermoskanne mit, wenn Sie über den Markt gehen. Ich weiß, das schaut ein bisschen streberhaft aus. Aber niemand schaut hin, und Sie haben zwanzig Euro mehr für die Standlerin mit den Holzsternen, die es tatsächlich selbst gemacht hat.
Hilfe, die gratis ist, wenn es eng wird
Der Dezember bringt viele Haushalte an die Grenze. Die Sozialmärkte in Österreich verkaufen Lebensmittel stark vergünstigt an Menschen mit geringem Einkommen, dazu gibt es Weihnachtsaktionen der Caritas, der Volkshilfe und vieler Pfarren. Die Schuldnerberatung der Länder ist kostenlos und anonym, und sie ist im Jänner völlig überlaufen. Im Dezember bekommt man leichter einen Termin.
Das ist kein angenehmes Thema für einen Adventartikel. Aber es gehört dazu, denn genau in diesen Wochen entstehen die Schulden, an denen man dann bis zum Frühjahr zahlt.
Was mir am Advent immer noch am besten gefällt, ist der Moment kurz nach dem Aufstehen, wenn draußen noch alles dunkel ist und die Straßenbeleuchtung im Schnee flimmert. Der kostet nichts, den kann man nicht kaufen, und er ist trotzdem der Grund, warum ich diese Wochen mag. Vielleicht sollten wir öfter dort anfangen und erst dann überlegen, was wir noch dazukaufen wollen.



