Der September hat so eine eigene Härte. Kaum ist der Urlaub verdaut, kommen die Schulsachenlisten, der Turnbeutel ist zu klein, die Jause muss wieder täglich sein, und irgendwo dazwischen flattert die Nachzahlung vom Energieversorger ins Haus. Und trotzdem: Gerade jetzt gibt es in Österreich eine ganze Reihe von Dingen, die wirklich nichts kosten. Man muss nur wissen, wo man hinschaut.
Der Schulstartklassiker, den viele übersehen
Die Schulstarthilfe der Arbeiterkammer ist in mehreren Bundesländern ein Fixpunkt, wird aber jedes Jahr von tausenden Familien nicht beantragt. Manchmal, weil man glaubt, man verdiene zu viel. Manchmal, weil das Formular so ausschaut, als würde es zwei Stunden dauern. Es dauert ungefähr zwölf Minuten. Wirklich.
Dazu kommen die Gratis-Schulartikelaktionen mancher Gemeinden. In kleineren Orten liegt im Gemeindeamt oft ein Sackerl mit Heften, Linealen und Buntstiften bereit, das schlicht deshalb übrig bleibt, weil niemand nachfragt.
Büchereien: das am meisten unterschätzte Gratis-Angebot des Landes
Ich sage das als jemand, der jahrelang Bücher gekauft und danach im Regal verstauben lassen hat: Die Büchereien sind die beste Ausrede, weniger zu besitzen. Viele Standorte haben im September Aktionswochen mit gratis Jahreskarten für Kinder und Jugendliche. In Wien ist die Jahreskarte für unter 18-Jährige ohnehin kostenlos.
Und es geht längst nicht nur um Bücher. Hörbücher, E-Books, Zeitschriften-Datenbanken, teilweise sogar Filme, alles über die Onleihe, alles von der Couch aus. Wer monatlich für drei Streaming-Abos zahlt und dann doch nur scrollt, sollte sich das ernsthaft anschauen.
Gratis-Proben, die tatsächlich brauchbar sind
Der Großteil der Musterproben im Netz ist Zeitverschwendung. Man gibt seine Adresse her und bekommt drei Wochen später ein Sackerl Waschmittel, das für genau eine Ladung reicht. Aber es gibt Ausnahmen, und die lohnen sich:
- Apotheken geben im Herbst häufig Nasensprays, Lippenbalsam und Vitaminproben aus. Einfach fragen. Das ist keine Schnorrerei, das ist deren Marketingbudget.
- Drogerieketten legen zum Saisonwechsel Pflegeproben bei.
- Bei Kaffeeröstereien in Wien, Graz und Linz gibt es zum Weltkaffeetag Ende September immer wieder gratis Verkostungen. Kein Kauf nötig, auch wenn Sie sich dann meist trotzdem was mitnehmen. Der Trick funktioniert bei mir jedes Jahr.
Kulturelle Gratis-Tage, die niemand ausschöpft
Der erste Sonntag im Monat ist in vielen österreichischen Museen ein Gratis-Tag oder zumindest stark ermäßigt. Dazu kommen die Tage des Denkmals im September, an denen Gebäude aufsperren, die sonst das ganze Jahr zu sind. Innenhöfe, alte Wasserwerke, Dachböden von Rathäusern.
Das ist kein Ersatz für einen Urlaub. Aber wenn draußen der erste kühle Regen anfängt und die Kinder daheim gegen die Wände laufen, ist ein gratis Rundgang durch ein Wasserkraftwerk deutlich besser als der vierte Nachmittag im Einkaufszentrum.
Beratung, für die andere Leute Geld verlangen
Hier liegt der eigentliche Schatz, und hier schaut fast niemand hin. Die Arbeiterkammer berät kostenlos zu Arbeitsrecht, Konsumentenschutz und Mietrecht. Die Schuldnerberatungsstellen der Länder sind gratis und anonym. Die ÖGK bietet kostenlose Gesundheits-Check-ups ab 18, einmal jährlich, inklusive Blutbefund.
Ein Bekannter hat sich zwei Jahre lang mit einem Vermieter über eine Betriebskostenabrechnung gestritten und war kurz davor, einen Anwalt zu nehmen. Ein Termin bei der AK, vierzig Minuten, hat die Sache erledigt. Kostenpunkt: null.
Kleider, Möbel, Fahrräder: der Kreislauf, den man leicht übersieht
In fast jeder größeren Gemeinde gibt es inzwischen Verschenkgruppen im Netz, Repair-Cafés und Tauschregale. Im September, wenn die Kinder aus der Sommerkleidung herausgewachsen sind und gleichzeitig eine Übergangsjacke fehlt, ist das die praktischste Sache überhaupt.
Die Repair-Cafés sind dabei der Teil, der mich am meisten überrascht hat. Man bringt den Toaster, das Radl mit der schleifenden Bremse oder die Hose mit dem Riss, und jemand mit Erfahrung schaut sich das mit einem an. Man zahlt nichts, man hilft mit, und man geht mit einem funktionierenden Gerät heim. Die Termine stehen meist auf der Gemeindeseite unter einer Rubrik, die niemand anklickt.
Was Sie im Kopf behalten sollten
Gratis ist nicht immer gratis. Wenn für ein kostenloses Angebot plötzlich Kreditkartendaten verlangt werden, ein Abo mitläuft oder Sie an einem Gewinnspiel teilnehmen müssen, dessen Teilnahmebedingungen aus vierzehn Bildschirmseiten bestehen, dann zahlen Sie mit etwas anderem. Meistens mit Ihren Daten, manchmal mit Nerven.
Meine Faustregel nach Jahren des Ausprobierens: Wenn ich für ein Gratis-Angebot mehr als drei Minuten meiner Aufmerksamkeit hergeben muss und dabei ein ungutes Gefühl im Bauch habe, lasse ich es. Und wenn ein Angebot von einer Institution kommt, die ich ohnehin über meine Beiträge mitfinanziere - Bücherei, AK, ÖGK, Gemeinde - dann hole ich es mir. Denn dafür zahle ich ja schon.
Der September wird trotzdem teuer. Aber vielleicht um ein paar hundert Euro weniger, wenn Sie sich heute Abend zwanzig Minuten Zeit nehmen und nachschauen, was Ihre Gemeinde eigentlich anbietet. Die meisten Leute tun das nie. Und genau deshalb bleibt so viel liegen.



